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Japanführer: Daijuji Tempel

von Barry Demillion (SILAC)

Daijui ist einer der wichtigsten historischen Stätten in Okazaki. Der Tempel wurde 1475 gegründet und spielte eine wichtige Rolle in der japanischen Geschichte. In seinen Mauern werden viele kulturelle Artefakte aufbewahrt und er ist einer der grössten Touristenattraktionen in Okazaki. Die Bedeutung des Tempels stammt von seiner Verbindung mit Ieyasu Tokugawa (1543-1616). Ieyasu gründete das Tokugawa Shogunat, dessen 264-jähriges Herrschaft einen der wichtigsten Wendepunkte der japanischen Geschichte darstellt. In einem der führenden Werke über die Geschichte Japans, "Das Tor zu Japan" von Kodansha, wird Ieyasu Tokugawa unter den zehn wichtigsten Herrschern Japans genannt.

Daijui war einer der beliebtesten Tempel während der Herrschaft von Tokugawa. Er wurde von den Vorfahren des Tokugawa-Klans, den Matsudairas, erbaut. Wegen dieser Familienbeziehung wurde gerade dieser Tempel so von Tokugawa geschätzt und er rettete sogar sein Leben. Bevor der Tokugawa-Klan die Herrschaft übernahm, war er militärisch vielen anderen Klans unterlegen. Eines der vielen Gefechte mit rivalisierenden Klans fand beim Daijuji Tempel statt. Während des Kampfes floh Ieyasu Tokugawa mit in paar treuen Anhängern ins Innere des Tempels und verschanzte sich dort. Ieyasu beschloss, vor dem Altar seiner Vorfahren Selbstmord zu begehen, um seinen Feinden nicht in die Hände zu fallen. Doch ein Priester des Daijui Tempel kam ihm zuvor und riet ihm, die Hoffnung nicht aufzugeben, indem er eine Passage einer Sutra zitierte: Enriendo Gongujodo; was auf Deutsch so viel heisst, wie "Velasse das verdorbene Land. Suche eine friedliche Welt!" Den Worten des Priesters folgend, nahm Ieyasu den Kampf wieder auf und überlebte mit der Hilfe der Tempelpriester.

Der Rest, sagt man, ist Geschichte. Ieyasu Tokugawa besiegte eine Menge andere Feinde und ging in die Geschichte Japans ein, indem er das Land einte und den Grundstein für eine lange Periode von Frieden und politischer Stabilität legte. Der Tempel von Daijui blieb für die Tokugawas natürlich weiter ein Ort von Bedeutung. Das Familienwappen dieses Klans taucht an vielen Stellen innerhalb der Tempelmauern auf.

Unsere Gruppe von Yamasa Studenten hatte das grosse Glück, vom 61. Abt des Tempels, Bischoff Dwight R. Nakamura, persönlich über das Tempelgelände geführt zu werden. Bischoff Nakamura hatte 40 Jahre seines Lebens auf Hawaii verbracht und konnte uns so den historischen Stellenwert der Anlage auf Englisch erklären. Er war auch so freundlich und gab uns einen Einblick in die Buddhistische Lehre und seine Rituale.

Nakamura
Eine andere interessante Sehenswürdigkeit im Tempel ist eine Zeichnung auf Leinwand vom Künstler Reizei Tamechika (auch Okada Tamechika genannt, 1823-1864). Tamechika studierte die alte Kunst des Yamato-e, eine japanische Maltechnik und vom Buddhismus geprägte Kunst. Diese Kunstform wurde während des 12. und frühen 13. Jahrhunderts in Anlehnung an die chinesichen T'ang Malerei in Japan eingeführt. Reizei Tamechika war mitverantwortlich für die Wiederbelebung der Yamato-e Zeichnungen. Im Tempel können viele von Reizei Tamechikas Kunstwerken bewundert werden. Leider darf man in diesem Teil des Tempels keine Fotos machen.

Eine anderes interessantes Gebäude auf dem Tempelgrund ist die Halle der "Ihai"-Tafeln. Auf diesen Erinnerungstafeln sind die Generationen des Tokugawa Shogunats abgebildet. Beachten Sie Grösse einer einzelnen Tafel. Die Grösse entspricht nämlich der tatsächlichen Lebensgrösse der Shogune. Hier findet man die Tafel von Ieyasu und eines anderen wichtigen Shoguns, Tokugawa Yoshimune (1684-1751). Yoshimune war der achte Shogun der Tokugawa Dynastie und einer von Japans grössten Herrschern, der in seiner Amtszeit viele wichtige Regierungsreformen durchsetzte. Er ist vor allem wegen der TV-Serie "Abarenbo Shogun" bekannt, die vor ein paar Jahren zum ersten Mal in Japan ausgestrahlt wurde.

Schauen Sie auf http://www.kikutv.com/shows/abarenbo_shogun_10/index.html.

Als grosser Fan der Serie lies ich ein Foto von mir und Bishop Nakamura vor Yoshimune's Gedenktafel machen.

Abarenboshogun
Der Friedhof der Matsudiaras ist ein anderer wichtiger Ort im Tempel. Hier ist die Gruft des Tokugawa-Klans, die auf 8 Generationen zurück geht und von Ieyasu im Jahr 1602 angelegt wurde. Der Tempel wurde in direkter Sichtlinie zur Burg von Okazaki gebaut und dies Anordnung symbolisiert, dass der Tempel die Burg beschützen soll. Die Bauvorschriften von Okazaki besagen auch, dass diese heilige Sichtbahn nicht von Gebäuden versperrt werden darf. Die Sicht auf die Burg ist durch das "San-Mon Tor" möglich, das im Jahr 1641 vom 3. Shogun, Iemitsu Tokugawa, erbaut wurde.

Tor
Ein anderer interessanter Ort auf dem Tempelgelände ist der "Taho Turm". Der Turm wurde von Ieyasus Grossvater im Jahr 1525 erbaut. Die Besonderheit ist ein kleiner Steingarten beim Turm, der den Lebensweg Buddhas symbolisieren soll. Wenn Sie das Glück haben Bischoff Nakamura zu treffen, fragen Sie ihn nach diesem Steingarten und er wird Sie persönlich hinbringen um ihn aus der Nähe zu betrachten.

Über Tokugawa Ieyasu gibt es jede Menge Infos im Internet, sowie über die Tokugawa Herrschaft und den Daijuji Tempel, doch nichts schlägt einen persönlichen Eindruck bein einem Besuch der Anlage.

Wie man hinkommt: Mit dem Meitetsu Daijuji Bus, 8 Minuten zu Fuss von der Daijuji Haltestelle (Tel. 21-3917). 10 minutes im Auto oder Taxi vom Hiagashi Okazaki Bahnhof an der Strasse 248.

Quellen:
Kodansha's Tor zu Japan
http://www.britannica.com
http://www.reversible.co.jp/town/KEY/walksin.html

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