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Dialekte, Geschichte etc.

Wie jede lebendige Sprache hat auch das Japanische während seiner Entwicklung in den letzten 2000 Jahren viele Dialekte hervorgebracht. Die Unterschiede zwischen den Dialekten sind wesentlicher weniger stark ausgeprägt als z.B. in der chinesischen Sprache, aber doch etwas stärker als die verschiedenen Dialekte im Englischen. Dialekte entwickeln sich über einen langen Zeitraum.

Die Geschichte der japanischen Besiedlung bewirkte, dass sich, zusammen mit dem Vordringen der japanisch spechenden Bevölkerung, die Sprache langsam in einem Zeitraum von 1000 Jahren von den westlichen Teilen des Landes nach Osten und Norden verbreitet hat. Aus diesem Grund haben Gebiete wie etwa die nördliche Hauptinsel Hokkaido eine viel kürzere Geschichte der Besiedlung durch Japanisch spechende Menschen als z.B. Kansai oder Kyushu. Über diesen langen Zeitraum hinweg haben sich die verschiedenen Dialekte herausgebildet. Diese Entwicklung wurde wie in anderen Ländern auch, durch folgende Faktoren beschleunigt:

  • Isolation auf Inseln, Halbinseln oder durch andere natürliche Barrieren wie z.B. Bergketten,
  • der eingeschränkte Handel und die geringe Migration durch die begrenzten Möglichkeiten der pre-industriellen Transportmittel,
  • der eingeschränkte Handel und die geringe Migration durch Verbote und Regulierungen einer langen Feudalherrschaft,
  • Lebensweise in einer Agrargesellschaft,
  • Bürgerkriege und soziale Entwurzelung.

Tokugawa Ieyasu
Tokugawa Ieyasu - 1542-1616 Kriegsherr aus Mikawa, dem es
gelang, Japan zu vereinen
Vor dem 17. Jahrhundert war Japan in viele unabhängige und häufig miteinander Krieg führende Fürstentümer zersplittert. Eines dieser Länder hieß Mikawa. Mikawa war das Machtzentrum des Feudalherren Tokugawa Ieyasu (im Jahre 1542 in der Burg von Okazaki geboren). Während einer langen Bürgerkriegsphase diente ihm die Mikawa-Region als Ausgangspunkt für seine Operationen und als sicheres Rückzugsgebiet. Das lag zum einen an der günstigen strategischen Lage der Mikawa-Region (jeder, der von Ost- nach Westjapan wollte, musste die Mikawa-Region durchqueren), zum anderen daran, dass man sich in einer Zeit des ständigen Betruges und der Intrigen, lieber auf den eigenen Klan verließ. Der Tokugawa-Klan herrschte über Japan ohne Unterbrechung während der gesamten Edo-Zeit bis zur Öffnung Japans und dem Beginn der Meiji "Restauration" im Jahre 1868.

Nach mehr als 100 Jahren Bürgerkrieg und Unruhen bedeuteten die von den Tokugawa Shogunen durchgesetzten Reglementierungen einen langen Frieden und eine Wiederbelebung des Handels, da die Transportwege wieder sicher genutzt werden konnten. Die Hauptstadt wurde auf einen neuen Standort verlegt (ein ehemaliges Fischerdorf in dem Gebiet, das heute als die Bucht von Tokio bekannt ist und sich in relativ kurzer Zeit zu eine der größten Städte der Welt entwickelt hat). Dadurch nahm der Verkehr auf dem wichtigsten Transportweg in Südhonshu, der Tokaido-Route, die in Okazaki dicht an der Burg vorbei verläuft, dramatisch zu - wodurch sich auch neue Worte schneller und weiter verbreitet haben als in den Jahren davor.

Der Haupteinfluss war aber die Tatsache, dass viele Krieger aus Mikawa und Mitglieder des Tokugawa-Klanes in Machtpositionen gelangt waren (sowohl in der neuen Hauptstadt Edo als auch in strategisch wichtigen Orten im ganzen Land). Es gab ein größeres Ausmaß an Zentralisierung als jemals zuvor. Der Mikawa-Dialekt wurde zur Basis der Sprache, die von der Militärregierung in Edo und allen, die mit ihr zu tun hatten, genutzt wurde. Um Rebellionen vorzubeugen, führte das Tokugawa Shogunat die Regelung ein, dass die verschiedenen Provinzenfürsten (Daimyo) jedes Jahr für eine gewisse Zeitspanne nach Edo kommen mussten. Dadurch waren sie gezwungen in Edo Häuser und eine Dienerschaft zu unterhalten und sie mussten ihre Familien in Edo als Geiseln zurücklassen, wenn sie sich wieder auf den Weg zu ihren Lehen begaben. Dieses System bewirkte, dass die im Mikawa-Dialekt verwendeten Wörter, Redewendungen und Betonungen in alle Teile des Landes verbreitet wurden, wodurch es unbeabsichtigt einen Standarddialekt zumindest unter der herrschenden Klasse eingeführte. Eine ähnliche Entwicklung durchlebte auch die französische Sprache, bei der durch die starke Zentralisierung und dem daraus resultierenden Einflusses der Hauptstadt Paris sich auch die Sprache der Bevölkerung im Rest Frankreiches veränderte.

Dennoch, die Charakteristik des Feudalsystems während der Edo-Zeit und die Schwierigkeit, weite Strecken zu reisen, bewirkten, dass die Dialekte überlebten und heute noch existieren. Erst seit dem Auftauchen der Massenmedien begann der "Standarddialekt", der in der Meiji-Zeit (nach 1868) von Regierungsbeamten, den Gebildeten und den Menschen, die oft mit diesen Gruppen Kontakt hatten, gesprochen wurde, die japanische Gesellschaft zu durchdringen. Das geschriebene Japanisch wurde am schnellsten standardisiert, da die Druckereien und Verlage den Standarddialekt in ihren Zeitungen und Büchern verwendeten. Lehrbücher, Unterrichtspläne und Testmethoden wurden ebenfalls vereinheitlicht. Auch die gesprochene Sprache erfuhr dramatische Veränderungen, der Einfluss der landesweit übertragenen Rundfunkprogramme, Massenmedien, einfacherer Reisen im Inland usw. verbreiteten den "Standartdialekt", der offiziell als "Hyoujungo" ("Hyoujun" = "Standard"; "Go" = "Sprache") bezeichnet wird. Veränderungen der Sprache spielen sich heute eher auf den verschieden Generationsebenen ab als durch regionale Unterschiede. Allerdings bestehen gewisse konstante regionale Besonderheiten in den Dialekten verschiedener Regionen wie z.B. in Kansai, Kyushu, Shikoku und Tohoku.

Im heutigen Japan lernen alle Schüler Hyoujungo und sie werden in der Schule und später am Arbeitsplatz praktisch ausschließlich Hyoujungo verwenden - jedenfalls wenn es die anderen auch tun. Eine beträchtliche Anzahl älterer Menschen sprechen auch heute ausschließlich den Dialekt ihrer Region, sie sind aber für gewöhnlich in der Lage Hyoujungo zu verstehen.

In Yamasa (wie in allen anderen Schulen auch) werden Sie in Hyoujungo unterrichtet. Wenn Sie einen Homestay machen, dann werden Sie feststellen, dass die Familienmitglieder fast ohne Ausnahme Hyoujungo sprechen. In dieser Beziehung ist ein Homestay in Okazaki sicherlich vorteilhafter als ein ähnlicher Aufenhalt in der Kansai-Region. Als Ausländer, der Japanisch lernt ist es dringend zu empfehlen, dass Sie erst Hyoujungo lernen und sich danach mit den verschiedenen Dialekten beschäftigen, da Sie Hyoujungo für Ihre späteren Studien bzw. Beruf benötigen. Das bedeuted natürlich nicht, dass Sie die regionalen Unterschiede in der Sprache, Esskultur, den Sitten und Gebräuchen Japans ignorieren sollen. Ein Einwohner Kyotos, der einen starken Kansai-Dialekt spricht ist ebenso Japaner wie ein im Hiroshima-Dialekt sprechender Mensch aus Iwakuni. Es sind diese Unterschiede, die die japanische Kultur bereichern. Wenn Sie die regionalen Unterschiede wahrnehmen und schätzen lernen, dann werden Sie auch Japan als Ganzes besser verstehen.

Beispiele für Dialekte:

Der Auspruch "kirei desu ne" (dt. "Das ist aber schön") auf Hyoujungo kann in der Alltagsprache der Japaner, in Abhängigkeit vom Wohnort des Sprechers, sehr stark variieren. In der Kansai-Region, die im Wesentlichen das Gebiet um Osaka, Kyoto, Nara, Wakayama und Mie umfasst, würde in der Regel "kirei ya na" verwendet werden. Das gleiche "kirei desu ne" würde im Hiroshima-Dialekt zu "kirei nakatta ne" transformieren - interessant, weil "nakatta" für gewöhnlich zum Negieren einer Aussage in Hyoujungo vewendet wird.


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